Wir verabschieden uns. Zwischen Tür und Angel und all den Dingen, die plötzlich eine Rolle spielen. Ich will nicht reden. Und seine Hand zwischen meinen Beinen fühlt sich kalt an. Immer noch. Ich erspare mir das „Ich liebe dich“ und schiebe ihn aus der Tür. „Ich dich auch“. Er sagt es ganz ohne Lächeln, und dann fällt die Tür ins Schloss und er nimmt zwei Stufen auf einmal. Man kann es hören. Deutlich.
Ich muss auch raus hier. In die Stadt, sündhaft teure Schuhe kaufen oder diesen Apple iPod. Sein Geruch ist immer noch da. Bilde ich mir wenigstens ein, genauso wie die Hand zwischen meinen Beinen. Ich reiße die Fenster auf, während sich das Aspirin auflöst. Das kalte Wasser der Dusche macht dieses Hämmern in meinem Schädel auch nicht besser. Ich gehe zu Fuß. Ohne Strümpfe und ohne Jacke. Die Luft ist kühl. Wie geschaffen, um mich auf meine Haut zu konzentrieren. In der Handtasche finde ich eine Packung zerdrückter Zigaretten. Beim ersten Zug wird mir schlecht.
Die Blondine im Schuhladen riecht nach Dolce & Gabbana. Zu schwer, denke ich und schlüpfe in grasgrüne Sandaletten. So acht Zentimeter über dem Boden sieht die Welt schon etwas anders aus und grün ist immer noch besser als schwere Gerüche. Am frühen Morgen jedenfalls. Die Verkäuferin scheint am Umsatz beteiligt zu sein, das entnehme ich ihrem Lächeln, als ich mich für grün entscheide. Ich zahle, lächle nicht und behalte die Schuhe gleich an. Es ist etwas wärmer geworden und den iPod schenke ich mir heute. Dafür nehme ich einen Espresso und fische die letzte Zigarette aus der zerdrückten Packung. Jetzt schmeckt sie besser und das laue Gefühl im Magen bleibt aus. Das liegt an der Luft im Straßencafe oder an beige bestrumpften Beinen, die an mir vorbei rennen. In diesen typischen flachen Schuhen. Farblos irgendwie.
Ich setze die Sonnenbrille auf die Nase und suche im Palm. Alles durchorganisiert, auch das Ficken. Termingerecht abgelegt in exakt vier Wochen, ohne besondere Emotionen. Ein Donnerstag Abend, so wie immer halt. Gefühle spielen keine Rolle. Jedenfalls haben wir das so vereinbart. Und Vereinbarungen gelten. Immer noch und nach wie vor. Die grünen Schuhe sind echt abgefahren und die Hand zwischen meinen Beinen fühlt sich immer noch kalt an. Sie geht nicht weg. Warum sollte sie auch. Immer noch besser, als mitten ins Herz. Ich weiß, was ich ihm schuldig bin. Und mir, vor allen Dingen mir. Daran wird sich nichts ändern. Nicht solange er im Palm steht. Die Zigarette schmeckt nicht mehr. Genauso wie der Espresso. Die Abwechslung war kurz und die Schuhe ändern daran auch nichts mehr.
Er steht oben an der Treppe und starrt mich an. Keine Emotionen, nicht jetzt. So tun, als sei Donnerstagabend, während die Sonne durchs Treppenhaus scheint. Ich will immer noch nicht reden, er auch nicht. Wir schaffen es gerade noch zwischen Tür und Angel. Er drückt mich gegen die Wand, nestelt an seiner Hose und zieht meine Beine nach oben. Ich kralle mich an ihm fest. Will mehr. Immer noch mehr. „Ich dich auch, Baby“. Meine Stimme überschlägt sich, wird wieder leise. „Ja, ich dich auch“.
by woVen

Lass mich Deine Träne reiten
Sehnsucht ist so grausam !!!
ich habe kopfschmerzen und keine tränen, herr mayer.
dagegen hilft aspirin. bei mir jedenfalls.
alles gute zum geburtstag.
Wo(w!)ven, ich bewundere Deinen Mut! Du bleibst bestimmt nie, wie ich, nur an der Oberfläche!
Gefällt mir gut, die neue „alte“ Kategorie!
Gruß von
Manu